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Recyclinganlage auf Hoher See

Zerkleinerungsmaschine und Brikettierpresse dienen zur Erfüllung der verschärften Kriterien des „Blauen Engels“

Für den Bau des Forschungsschiffes  „MARIA S. MERIAN“ hatten die Auftraggeber strenge ökologische Vorgaben formuliert. Der Betrieb des Eisrandforschungsschiffs des von der Reederei Briese in Leer bereederten Schiffes  ist deshalb besonders umweltschonend.  Darum wurde dem Schiff im Jahr 2006 das Umweltgütesiegel „Blauer Engel“ verliehen. Als Eckpunkte dieses Gütesiegels sind in diesem Zusammenhang zu nennen:
a) Die Schiffskonstruktion ist so geschickt ausgeführt, dass kein Brennstofftank direkt an der Außenhaut seitlich und im Doppelboden angeordnet ist. Somit ist das Risiko eines Ölaustrittes bei Beschädigung des Rumpfes infolge z.B. Eiseinwirkung auf ein Minimum reduziert.
b) Alle Hydraulikaggregate im Außenbereich werden mit biologisch verträglichem Öl betrieben, um bei eventuellen Leckagen in einer sensiblen Umwelt keinen Schaden anzurichten.
c) Sämtliche Kühlanlagen werden mit einem besonderen Kühlmittel betrieben, das nicht die Ozonschicht angreift.
Im Jahr 2010 wurden die Kriterien für den „Blauen Engel“ weiter verschärft: Das Verbrennen von Verpackungsmaterialien auf See wurde untersagt. Alle Abfälle müssen an Bord getrennt, gesammelt und im nächsten Hafen entsorgt werden. 
Diese zusätzliche Auflage zur Erlangung des Zertifikats musste nun praktisch umgesetzt werden.

Die 44-köpfige seemännische und wissenschaftliche Besatzung produziert täglich gut 50 Kilogramm Verpackungsmüll: Obstkisten, Eierschachteln, Papier und große Kartons, in denen die Lebensmittel transportiert werden sowie das Verpackungsmaterial von Instrumenten der 23 Forscher. Es ist unmöglich die Kartons bis zum nächsten Hafen zu stapeln. Neben der ohnehin schon geltenden Anweisung zur Vermeidung von Müll an Bord durch geschickten Einkauf (z.B. Vermeidung von Verpackungsmüll etc.) wurde also innovative Maschinentechnik benötigt, um das Volumen des Verpackungsmaterials entsprechend zu reduzieren.
Die Recherche der Reederei Briese ergab, dass die Firma mütek Systemtechnik aus Filderstadt das Problem lösen kann. mütek plant, konstruiert und liefert unter dem Gesichtspunkt der Energieeinsparung umweltfreundliche Zerkleinerungsmaschinen und Brikettierpressen nach Kundenwunsch. Innerhalb einer Stunde kann die kleinste mütek-Anlage den Kartonmüll eines Tages zu fünf Zentimeter dicken zylindrischen Briketts verpressen.  Das Volumen des Ausgangsmaterials reduziert sich um bis zu das 10-fache!

Auf diese Weise wird das FS „MARIA S. MERIAN“ allen Anfordernissen des Blauen Engels für umweltschonende Schifffahrt - dem derzeit modernsten und anspruchsvollsten Gütesiegel für Schiffe – gerecht und darf weiterhin das Siegel „Blauen Engel“ führen.

Das deutsche Forschungsschiff „Maria S. Merian“ ist nach der Naturforscherin Maria Sybilla Merian (1647-1717) benannt.  Das Schiff ist in Rostock beheimatet und wird vom Institut für Ostseeforschung in Warnemünde wissenschaftlich betreut. Als eines der jüngsten und modernsten Forschungsschiffe der deutschen Forschungsflotte ist es seit 2006 für die deutsche und internationale Meeresforschung im Einsatz.
Als Forschungsschiff, das auch am Rand des polaren Meereises operieren kann, ist es vornehmlich für den Einsatz im Nordatlantik vorgesehen. Hierfür wurde der Bug mit bis zu 20 Millimeter dicken Stahlplatten verstärkt. Der sogenannte POD-Antrieb ermöglicht es, das Schiff während der Expeditionen exakt auf Position zu halten.
Für die Forschungsfahrten haben neben 21 Mann Besatzung weitere 23 Wissenschaftler Platz. Allen meereswissenschaftlichen Disziplinen stehen auf der „Maria S. Merian“ fünf Labore, eine Rechenzentrale, ein Besprechungsraum sowie Lade- und Lagerräume zur Verfügung. Untersuchungen des Meeresbodens sind mit dem Schiff bis in zehn Kilometer Wassertiefe möglich. Für den Einsatz spezieller Geräte sowie wissenschaftliches Material, das auf den Expeditionen gesammelt wird, steht den Wissenschaftlern eine Zuladung von 150 Tonnen zusätzlich zur Verfügung. Jüngste Fahrten führten die „Maria S. Merian“ beispielsweise durch den östlichen Nordatlantik bis in die Ostsee und in die Küstengewässer des Benguelastrom-Systems vor Südwestafrika.

Länge: 94,80 Meter
Breite: 19,45 Meter
Tiefgang: max. 7,00 Meter
Besatzung: 21 Mann & 23 Forscher
Indienststellung: 2006
Höchstgeschwindigkeit: 15 Knoten
Reichweite: max. 7.500 nautische Meilen
Haupteinsatzgebiete: Ostsee, Atlantik, insbesondere Eisrandgebiete
Heimathafen: Rostock

Die Gesamtanlage besteht aus:
- Zerkleinerungsmaschine MRZ 630
- Brikettpresse MMP